Herr Schädler, wie viele andere Branchen ist auch die Logistik in Bewegung. Was hat Ihr Unternehmen seit unserem letzten Interview 2021 besonders bewegt?
Dino Schädler: Wir befinden uns in einer Zeit, die insbesondere vom Thema Nachhaltigkeit geprägt wird. Vor vier, fünf Jahren gab es diesbezüglich in der Logistik noch weniger Möglichkeiten, lediglich einige Euro-Normen. Durch die Entwicklungen im Bereich Elektromobilität und die damit verbundenen Potenziale zur Einsparung von CO2 hat sich vieles verändert. Zudem nahm das Bewusstsein zu, was den CO2-Ausstoss entlang der gesamten Versorgungskette betrifft. Wo früher vor allem die Produktion im Fokus stand, stellt man sich heute vermehrt die Frage nach der Herkunft der Rohstoffe, nach der Art des Transportes etc.
2021 war das Angebot an E-LKWs noch sehr begrenzt. Jetzt haben Sie kürzlich den Kauf von sechs Volvo e-Trucks bekanntgegeben. Was hat sich seit 2021 verändert?
Wir wollten uns im Bereich Nachhaltigkeit stärker engagieren, spürten diesbezüglich auch wachsendes Interesse bei Kunden und haben die Chance nun gepackt. LKWs sind für die Versorgung enorm wichtig, sei es mit Lebensmitteln, Medikamenten, Treibstoff oder auch Produkten wie Kalk. Nachdem wir bisher viele kleine Schritte umsetzen konnten, gehen wir diesen Weg nun entschieden weiter.
Zwei Ihrer E-LKWs nutzen Sie nun bereits seit Januar. Wie sehen die ersten Erfahrungen aus?
Unsere Erfahrungen sind durchs Band sehr positiv. Kunden wie die KFN freuen sich darüber, dass nun auch die Logistik noch mehr zu ihrem Nachhaltigkeitsengagement beitragen kann. Sie profitieren durch E-LKWs von grossen CO2-Einsparungen beim Transport ihrer Güter. Auch viele unserer Fahrer schätzen die E-LKWs. Einige interessierten sich sofort für das Thema, manche sehen nun die Vorteile und sind motiviert, andere brauchen noch etwas Zeit.
Ist die öffentliche Infrastruktur schon bereit für elektrisch betriebene LKWs?
Grundsätzlich können E-LKWs überall dort betankt werden, wo es auch mit klassischen Elektroautos möglich ist. Die grösste Problematik ist die Zufahrt, die mehrheitlich nicht auf grössere Fahrzeuge ausgerichtet ist. Zudem macht Tanken erst ab einer Ladeleistung von 200 kW Sinn – ansonsten müssten unsere Mitarbeitenden über Stunden warten, bis sie weiterfahren könnten. Aktuell tut sich aber viel im Markt und der Bund will in Zukunft Ladestationen für E-LKWs fördern. Auch auf Kundenseite gibt es interessante Investigationen zum Ausbau der Infrastrukturen durch eigene Ladestationen..
Wie Sie erwähnt haben, ist die detaillierte Planung der Routen nun noch entscheidender. Gibt es diesbezüglich gemeinsame Anstrengungen mit Ihren Kunden?
Wir pflegen eine sehr partnerschaftliche Beziehung mit Kunden wie der KFN und suchten auch in der Vergangenheit bereits zusammen nach optimalen Logistiklösungen. Gerade im Zusammenhang mit KFN-Kunden wie ARAs oder Stadtwerken gibt es ein grosses Potenzial, da diese ebenfalls für das Thema Nachhaltigkeit sensibilisiert sind. Deswegen haben wir nun für die KFN bereits mehrere Offerten erstellt und sind zuversichtlich, einige schöne Projekte umsetzen und die Transporte zu diversen Kunden auf Strom umstellen zu können. Auch heute sind wir schon praktisch täglich elektrisch bei der KFN vor Ort.
Im Hinblick auf einen möglichst geringen CO2-Ausstoss waren in der Vergangenheit auch Bahntransporte ein wichtiges Thema. Bilden diese weiterhin einen zentralen Bestandteil Ihrer Strategie bei Transporten für die KFN?
Die Kombination von Strasse und Schiene ist uns weiterhin wichtig. Wo der Einsatz solcher Lösungen Sinn macht, fördern wir dies. So nutzen wir beispielsweise auch heute noch unsere Bahn-Behälter für die KFN, welche mit der Bahn befördert und lediglich über die letzten Kilometer mit LKWs transportiert werden. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens ist dies aus unserer Sicht die optimale Lösung. Im Hinblick auf das CO2-Argument verliert die Bahn aber schon etwas an Bedeutung. E-LKWs stehen im Vergleich nicht schlechter da.
Gibt es weitere Optimierungen, von denen die KFN und KFN-Kunden heute profitieren?
Uns liegt viel daran, Synergien voll auszunutzen. KFN-Kunden sind teilweise auch unsere Kunden, wodurch wir Transporte miteinander verbinden können. Dies führt einerseits zu einem verringerten CO2-Ausstoss, andererseits ist dies für beide Seiten auch preislich attraktiv. Das geht so weit, dass wir gemeinsame Sitzungen mit allen beteiligten Parteien führen. Solche Partnerschaften machen Freude, da wir das ganze Potenzial nachhaltiger Transporte ausschöpfen können.
Welche Ziele haben Sie diesbezüglich in den kommenden Jahren?
Im ersten Quartal 2025 wollen wir nun alle sechs Volvo e-Trucks in Betrieb nehmen. Danach haben wir geplant, die Flotte an E-LKWs laufend auszubauen. Vorgesehen ist, dass bis 2030 rund 30% unserer 50 LKWs elektrisch betrieben sind. Natürlich werden wir uns auch daneben weiterhin mit aktuellen Entwicklungen auseinandersetzen. Anpassungsfähig zu bleiben, ist als Logistiker wichtiger denn je.
100 Jahre Fischer Logistik
2025 ist ein grosses Jahr. Während die KFN ihr 125-jähriges Bestehen feiert, hat Fischer Logistik mit 100 Jahren Firmengeschichte ebenfalls Grund zum Feiern. Was einst als einer der ersten Taxibetriebe im Kanton Graubünden begann, ist heute ein innovatives Unternehmen, das sich ganz auf Silotransporte spezialisiert hat. In all diesen Jahren blieben die zentralen Werte die gleichen. «Anstand, Hilfsbereitschaft und enge Partnerschaften mit Kunden waren schon meinem Urgrossvater wichtig», erklärt Dino Schädler. «Noch heute wollen wir nicht einfach etwas erledigen, sondern wirklich zusammenarbeiten. So verbinden wir Tradition mit Innovation, fördern Neues und nutzen wann immer möglich Verbesserungspotenziale.» Davon profitiert auch die KFN, wie die langjährige Zusammenarbeit mit Fischer Logistik immer wieder belegt.
Wer hinter die Kulissen des Unternehmens blicken will, erhält am 30. August 2025 die Gelegenheit dazu. Dann gibt es am Firmenstandort in Untervaz einen Tag der offenen Tür, zu dem alle Interessierten herzlich eingeladen sind.